Sonntag, 21. August 2016

Course du Dolmen - Florac

An rund 20 Grad Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht haben wir uns in den letzten Tagen hier in der Schlucht des Tarn schon gewöhnt. Und so schalten der Junior und ich bibbernd die Sitzheizung an, als wir am 14. August bei morgendlichen 11 Grad im knappen Wettkampf-Leibchen zum Start nach Florac fahren.
Tarn-Schlucht
Der "Course du Dolmen" führt auf die Höhen über Florac, wo es von Dolmen und Hinkelsteinen nur so wimmeln soll.  Der Wettkampf über 12,4 km und 400 Höhenmeter wird heute zum 30. Mal ausgetragen. Die 400 Höhenmeter sind laut Höhenprofil zwischen Kilometer Vier und Acht zu erklimmen. Das entspricht, wie der Mathematiker leicht erkennt, einer Steigung von 10 Prozent. Danach geht es bis ins Ziel nur noch bergab.

Für neun Euro Startgebühr erhalten wir neben einem ärmellosen Funktionsshirt mit Dolmen-Aufdruck noch eine Flasche des Mineralwassers "Quézac" aus dem gleichnamigen Nachbarort. Der verdankt wohl seine Benennung, wenn ich das richtig verstanden habe, dem Burgherren, der im Krieg als einziger Mann zu Hause blieb und den Bedürfnissen der heimischen Frauen nachkam - bis er vor Erschöpfung schließlich starb. Daher Quezac, was "schlaffer Sack" bedeuten soll. Heute betreibt die Firma Nestlé hier eine "bottle plant".

Wie ein schlaffer Sack fühle ich mich auch, denn bei diesem Wettkampf vollführe ich meine ersten Laufschritte seit Wochen. Zuerst hatte der Körper vergeblich um Pause gebettelt. Doch irgendwann hat die gequälte Lauferei einfach keinen Spaß mehr gemacht, so dass auch der Kopf einsah, dass der ganze Kerl mal eine Laufpause braucht. Und so hatte ich mir Urlaub vom Laufen genommen.
Wettkampfposter mit Höhenprofil

Insofern sind heute keine Großtaten zu erwarten. Der Gewinner des Vorjahres hatte 49 Minuten gebraucht.  Ich sollte mit einer Durchschnitts-Pace von 4:50 min/km unter einer Stunde bleiben können.

Inzwischen brezelt die Sonne. Die Temperaturen dürften jenseits der 20-Grad-Marke angekommen sein. Im Ziel werden es über 30 Grad sein. Daher fällt mir schon das leichte Auf-und-Ab auf den ersten Kilometern nicht leicht. Die zweite Frau zieht gämsengleich vorbei. Ich versuch es gar nicht erst. Schon bald überholt mich die Dritte. Ihr Laufstil zatopekscher Anmutung führt, wie beim Original, zu hoher Geschwindigkeit. Auch zu schnell für mich. Als sich Dame Nummer Vier an meiner Seite zeigt, kann ich mir endlich den nötigen Arschtritt verpassen. Sie verschwindet wieder im toten Winkel.

Doch bald schon nerven neue Schritte am Heck. Unheimlich laut knallt das stollige Profil zweier Salomon-Trailschuhe auf den Asphalt. Wann immer es geht, weicht ihr Träger neben die Bergstraße aus, um die Noppen zu schonen. Nur 30 Prozent Trail sind für diesen Lauf ausgeschrieben. Bergauf geht es mittlerweile aber trotzdem, und zwar konstant. Konstant bleibt auch der jugendliche Salomon-Jünger an meiner Seite. Er wird später Drittplatzierter der Kategorie "Kadetten". Mit den Altersklassen funktioniert das hier ein wenig anders. Der Franzose kennt zum Beispiel noch Junioren, Senioren und Veteranen, wie mich, sowie die noch älteren Masters.

Da geht es hoch
Wieder werde ich von einem Läufer überholt. Doch diesmal ist es kein bergerfahrener Einheimischer. Das Shirt weist seinen Träger als Niederländer aus. Wie bitter ist das denn, wenn einen hier sogar die Flachländer überholen?

"Ravitaillement 100 m", heißt es auf einem Schild. Französisch müsste man können! Liest sich irgendwie wie "Revitalisierung". In 100 Metern muss ich hoffentlich noch nicht wiederbelebt werden. Was dann folgt, ist auch kein Rot-Kreuz-Zelt, sondern ein Verpflegungspunkt. Da ich zum Trinken nicht stehen bleibe, kann ich den Kadetten abschütteln. Dass ich bei diesem Lauf zu keinem Zeitpunkt stehen bleibe oder ins Gehen verfalle, bleibt der einzig positiv zu verbuchende Punkt. Von der herrlichen Aussicht hier oben mal abgesehen. Aber wo sind denn jetzt die Dolmen? Stattdessen weist ein Schild auf die Bergwertung in 500 Metern hin. Naja, der Bergmeister dürfte längst ermittelt sein. Immerhin sind wir jetzt oben.

Der Geher, den ich am Berg mühselig überholt hatte, pfeift von hinten an mir vorbei zu Tale. Ich dachte, ich hätte die Quälerei endlich hinter mir, da überholt mich die vierte Frau! Wenigstens ist es inzwischen eine andere. Ich hänge mich an ihre Fersen. Die Oberschenkel brennen bei jedem Schritt ins Tal. Trotzdem, der Abstand wird größer!

Dann, man kann den Zielbereich im Ort schon hören, laufen wir in den Park ein, der um die "Source du Pecher" angelegt wurde. Schmale, ausgewaschene Pfade und Zwielicht unter den Bäumen bilden einen Kontrast zu dem sonnengefluteten Asphalt, auf dem wir eben noch unterwegs waren. Jeder Schritt erfordert Konzentration. Traillaufen eben. Endlich fängt das an hier Spaß zu machen! Als ich kurz aufblicke, sehe ich die Dame hinter dem Absperrband. Sie muss geradeaus gelaufen sein, anstatt scharf nach links unten abzubiegen. Wieso das Band noch intakt ist, bleibt mir ein Rätsel. Obwohl sie noch vor mir wieder auf die Strecke zurück findet, hat sie das Ereignis wohl so weit durcheinander gebracht, dass sie sich nicht wehrt, als ich die Chance nutze. Der Jubel der Zuschauer beim Zieleinlauf gilt natürlich ihr. Daher weiß ich sie stets in meinem Rücken und kann wenigstens auf den letzten Metern richtig kämpfen.

Für meine selbst auferlegte Stundenvorgabe bin ich dennoch 45 Sekunden zu langsam. Der Veranstalter spendet direkt an der Ziellinie Trost, indem er jedem Finisher eine Flasche Wein in die verschwitzte Hand drückt.

Der Holländer setzt sich zu mir in den Schatten. Endlich mal einer der Englisch spricht! Wie Rotkäppchens Großmutter werden wir im Zielbereich mit Kuchen und Wein versorgt. Es gibt auch Eistee. Der macht seinem Namen alle Ehre, denn er ist wirklich tiefgefroren. Zähflüssig, süß, eiskalt - genau das, was man jetzt braucht!

Laufprämie
Dann taucht auch schon der Junior auf. Er verspricht sich eine Altersklassenplatzierung, vermutlich unter den französischen "Benjamins". Doch als die Ergebnisliste ausgehängt wird, steht er überhaupt nicht drauf! Als wir nachfragen, muss - wie stets - erst mal der Englischkundige gesucht werden. Wie ebenfalls immer, findet sich ein solcher. Wir verstehen, dass mein Sohn zu jung für diesen Lauf ist, und nicht offiziell gewertet werden kann. Bei der Siegerehrung wird er dennoch ausgezeichnet und erhält zusätzlich zu seinem Finisher-Wein (für den er wiederum alt genug ist) ein Paket regionaler Produkte mit Wurst, Schafskäse und geminzter Johannisbeer-Marmelade.

Wir haben heute weder Dolmen gesehen noch Bestleistungen abgeliefert, aber die Startgebühren, die haben wir mehr als wieder rein. Laufen wie Gott in Frankreich!

Montag, 4. Juli 2016

Bergischer 6 Stundenlauf

Das Pulsmesser rennt jedem Rock hinterher. Als mich die führende Frau überholt, werfe ich alle guten Vorsätze über Bord und hänge mich dran. Eigentlich habe ich 60 Kilometer für den heutigen "Bergischen 6 Stundenlauf" geplant. Wenigstens will ich jedoch eine Ultrastrecke laufen. Ein Schnitt um Sechs Minuten pro Kilometer wäre demnach angemessen.

Eschbachtalsperre nach dem Lauf

Nun jage ich aber der Frau in einer guten 5er Pace hinterher. "Sollte auf der flachen Strecke auch möglich sein.", versuche ich mir Mut zu machen. Wenigstens meinen Plan, aller drei Runden zu verpflegen, halte ich ein. Nach meinem kurzen Stopp ist die Dame entschwunden. Ein Glück! Das befreit mich von meinem Verfolgungswahn. Nun kann ich die Runden um die Eschbachtalsperre im eigenen Tempo zuckeln.


Ausgeschrieben war ein "3km-Rundkurs (2800m) auf festem Waldboden." Nach den starken Regenfällen der letzten Nacht kann von festem Waldboden an vielen Stellen keine Rede mehr sein. So kommt auch der Trailfreund auf seine Kosten. Und die 2800 Meter langen drei Kilometer werden später auf 2900 Meter korrigiert. Diese Mehrleistung nehme ich natürlich gerne in die Bücher auf.

Meine private Strecken-Messung versagt heute völlig. Ohne Zweifel setzt irgendwann mein Verfall ein. Aber als mir die Uhr eine Pace um 9 Minuten vorgaukeln will, schenke ich ihr keinen Glauben mehr. Ich wechsele die Anzeige einfach auf Rundenzahl und Laufzeit. Auf Basis der krummen Rundenlänge rechnet es sich allerdings nicht so toll - schon gar nicht mit einem unter akuter Blutarmut leidenden Gehirn.

Wer misst, misst Mist

Der Drei-Runden-Verpflegungsplan ist längst aufgegeben, der kühle Morgen einem sonnigen Tag gewichen. Die kleinen Schauer werden dankbar als Kühlung angenommen. Ich muss inzwischen nach jeder Runde meine Kehle netzen. Das erhöht irgendwann den Druck auf die Blase in den unangenehmen Bereich. Dabei hat uns am Morgen der Organisator Oliver Witzke, tollkühn rittlings auf der Staumauer sitzend,  das "Miktieren und Defäkieren an der Strecke" ausdrücklich untersagt. "Also, ihr dürft unterwegs nicht Pissen und Scheißen!" Da hatten es dann wohl alle begriffen. Danach hat der Oli uns alle wie eine Schulklasse zum gemeinsamen Toilettenbesuch geführt. Nahe der Strecke stehen uns in einem kürzlich renovierten Motel die edelstens und umfangreichsten WCs zur Verfügung, die ich je bei einem Lauf benutzen durfte.

Ausreichende Streckenbewässerung *

Noch gut eine Stunde ist zu laufen. Die 60er-Marke rückt in greifbare Nähe, als plötzlich unter heftigem Hagel ein Wolkenbruch niedergeht.  Einige suchen vergeblich Schutz unter einem der Bäume. Andere Läufer werden mit Schirm auf der Strecke gesehen. Dieses Accessoire scheint sich langsam in den Läuferkreisen zu etablieren. Schon vorige Woche im zwölfstündigen Dauerregen des 24-Stundenlaufs wurde der Paraplü benutzt. Ich erwarte schon den Tag, an dem der Schirm zur vorgeschriebenen Pflichtausrüstung bei den ganz harten Trails zählen wird.

Zum Schluss zeigt sich mal wieder, dass Ultralaufen reine Kopfsache ist. Die letzte Runde kann ich nochmal recht hurtig angehen. Beim Schlussknall fehlen mir 207 Meter zur Vollendung der 22. Runde. Mit 63.593 Metern darf das Tagessoll dennoch als erfüllt gelten.


*Foto: Jo Klingone


Donnerstag, 30. Juni 2016

Auf Lang folgt Kurz - b2run 2016

"Jetzt haben die einfach die Strecke verlängert! Aber ich habe doch nur für fünfeinhalb Kilometer trainiert!" Es gehört zu den Eigenarten eines Firmenlaufes, dass solche Klagen in den ersten Reihen des vordersten Startblocks zu hören sind,

Kein Bedarf - mit meinem Namen bin ich recht zufrieden

Trotzdem gelingt der Start ohne größeren Stau. Mein Bestreben, dem Pulk zu entfliehen, scheint dennoch ein wenig zu intensiv zu geraten. "Mir klebt die Zunge am Gaumen" war bisher einfach ein Spruch. Nun erlebe ich es buchstäblich. Noch nie hatte ich einen so trockenen Mund. Ich denke bereits auf dem ersten Kilometer an die Wasserstation, die sich etwa auf der Hälfte des rund sechseinhalb Kilometer langen Kurses befindet. Man kann doch auf so einer kurzen Distanz nichts trinken müssen! Mit einer Pace von 3:24 bin ich den ersten Kilometer ganz offensichtlich zu schnell angegangen. Vier Minuten hatte ich  - angesichts der Vorbelastung und des fehlenden Tempotrainings - für eine realistische Geschwindigkeit gehalten.

Nach der Korrektur des Tempos kann ich trotzdem noch ein wenig im Feld nach vorne laufen. Dabei kommt als Positionsindikator die dritte Frau in Sicht. Auch an ihr ziehe ich noch vorbei. Dann passiert es. Nach drei Kilometern packen mich fiese Seitenstiche.

Es gibt keine Alternative. Nur durch Temporeduktion werde ich mich aus diesem hässlichen Zangengriff befreien können. Alle ziehen sie wieder an mir vorbei. Auch die Frau.

Zwei Kilometer schleppe ich mich schmachvoll dahin. An der Fünf-Kilometer-Fahne kneift die Zange nicht mehr ganz so arg. Mein aktueller Überholer wundert sich vermutlich ob meines sich mehr und mehr steigendernden Tempos. Er wehrt sich erstaunlich lange.

Aber ich kann weiter Geschwindigkeit aufnehmen. Die Gesamt-Pace sinkt zurück unter vier Minuten. Die Frau wird eingesammelt. Und dann bin ich auch schon im Ziel. 25:32.1 habe ich diesmal benötigt.

Medaille 2016
Den Titel als Firmen-Schnellster konnte ich damit verteidigen. Doch für die Sensation sorgt mein Sohn, der trotz seines 24-Stundenlaufs hier mit an den Start ging. Er wird Zweiter!

Wird der Junior im nächsten Jahr vor seinem Erzeuger ins Ziel laufen?

Jetzt erstmal die Füße hochlegen

Montag, 27. Juni 2016

Nach mir die Sintflut - Der 24 Stundenlauf in Breitscheid

Oh, dieser betörende Duft! Nein, ich meine nicht das spezielle Odeur, das ein Läufer nach stundenlanger Belastung ausdünstet. Es riecht nach Rosen. Vielleicht sind es auch andere Blumen. Auf jeden Fall irgendein herrlicher Blütenduft. Sobald der Übergang vom Wäldchen zum Heckenbestand auf der Breitscheider 5-km-Runde geschafft ist, überkommt mich diese olfaktorische Wahrnehmung. Doch keiner will sie mit mir teilen! Betty meint, ich würde bereits halluzinieren. Immerhin, die Glühwürmchen sieht sie auch!

Der Beginn einer jeden Runde

Angesichts der feuchten Hitze und der vorhergesagten Unwetter habe ich mir diesmal keine neuen Großtaten vorgenommen.  Außerdem befürchte ich, dass sich die Sehnen wieder melden und so zum limitierenden Faktor werden. Zumindest soll aber die Nacht durchlaufen werden, dann die 100 km anvisieren und danach mal sehen. Es wird sich zeigen, dass "mal sehen" ein ganz schlechter Motivator ist.

Zunächst läuft es gut, ich liege sogar kurzzeitig in Führung. Doch schon die Runde auf dem Weg zum Marathon lässt mich kämpfen. Ganz schlecht, in Anbetracht der immensen noch vor mir liegenden Zeit. Der mentale Tiefpunkt ist auf der 65-km-Runde erreicht. Die Pace liegt mittlerweise bei 10 Minuten. Ich schlendere nur noch dahin. Selbst zu schnellem Gehen kann ich nicht aufraffen. Dabei tut mir noch nicht einmal irgendwas weh. Die Beine wollen einfach nicht mehr. Oder ist es eigentlich der Kopf?
Ultraverpflegung

Ich sitze 25 Minuten im Verpflegungszelt und hadere mit der Welt. "Nie wieder laufe ich weiter als 100 km!" "Und jetzt höre ich erstmal auf und lege mich hin." Gebrochen schleppe ich mich zu meiner Matte. Dort wähne ich auch meinen Sohn, der sich ein paar Stunden ausruhen wollte. Doch seine Lagerstatt ist verwaist! Wenn der knapp 15-Jährige das hier durchzieht, um sein ehrgeiziges 100-km-Ziel zu erreichen, kann ich mich ja wohl auch nicht lumpen lassen! Also doch weiter.

Die Sehnen spielen wunderbar mit. Trotzdem bekomme ich die Beine kaum vom Boden. Salzverkrustet trotte ich unter dem riesigen, dunkelgelben Halbmond dahin. Bei meinem jetzigen Tempo ist absehbar, dass ich die 160 km vom Vorjahr diesmal keinesfalls erreichen, geschweige denn toppen werde. Und irgendeine Zahl zwischen 100 und 160 bedeutet mir nichts. Ich fasse einen Entschluss: "Bei 100 hörst du auf!" Das lässt mir auch noch ein paar körperliche Reserven für den Firmenlauf am Dienstag und für den "Bergischen 6-Stundenlauf" am nächsten Samstag, für den ich mich in planloser Euphorie eingeschrieben hatte.

Im Morgengrauen ist dann alles egal. Ob ich mit den 100 nun gleich oder etwas später fertig bin, ist irgendwie nicht relevant. Ich wandere mal wieder. Plötzlich Schritte von hinten. Mein eigener Sohn holt mich ein! Das musste ja eines Tages passieren.

Gemeinsam bringen wir die Runde gut gelaunt zu Ende. Ich bin jetzt gelöst und rundherum zufrieden mit meinem Entschluss. Wie zur Bestätigung fängt es an zu gießen, kaum dass ich die Startnummer nach dreizehneinhalb Stunden abgelegt habe. Und es wird bis zum Ende der Veranstaltung in unverminderter Stärke weiterregnen. Nach mir die Sintflut!

Die Zeltwiese

Doch weder die neue Wetterlage noch mein Zureden können den Nachwuchs vom Weiterlaufen abhalten. Hatte er bisher unter seiner selbst auferlegten Bürde gelitten ("Ich mache hier nie wieder mit!"), so ist mittlerweile absehbar, dass er sein Ziel von 100 km tatsächlich erreichen kann. Entsprechend guten Mutes ist er. Er verschwindet im Regen.

Zurück bleibt ein Vater mit schlechtem Gewissen. Müsste ich dem Jungen nicht beistehen und ihn begleiten? Doch der Sprössling hat sich seine Vorgabe selbst gesteckt, und er zieht es allein durch. Ein Jüngling auf dem Weg zum Manne.

Mein Sohn!





Montag, 13. Juni 2016

Männer(-grippe) beim Eifelmarathon-Ultra



"Papa ist erkältet und läuft morgen den Ultra beim Eifelmarathon!" Genau die beiden Informationen, die ich den Junior bat, nicht explizit im Telefonat mit meiner Mutter zu erwähnen, bringt er gleich im ersten Satz unter. Und so wird mir alsbald der Hörer weitergereicht und das Verprechen abgerungen, wenigstens langsam zu laufen.

Meine Frau hingegen hatte meine Erkältung als "Männergrippe" abgetan, was ich als Starterlaubnis interpretiere. Nach unserem 2014er Vater-Sohn-Debüt auf der Eifeler Halbmarathonstrecke will sich der Nachwuchs diesmal allein dieser hügeligen Strecke stellen, während ich den nicht weniger welligen Ultra (51,4 km, 983 Hm) zu laufen gedenke. Unserem Familien-Duo schließen sich Bianka und Alexander an, so dass wir auf der fast 200 km langen Anfahrt umweltschonend und gutgelaunt als Fahrgemeinschaft reisen. Unterwegs klagt Bianka, wie "sportfaul" sie in letzter Zeit gewesen sei. Wir haben Schwierigkeiten das nachzuvollziehen, da sie im nächsten Satz erzählt, dass sie am Vortag die 18 km ins Fitness-Studio gelaufen war, um dann dort mit dem eigentlichen Training zu beginnen.

Höhenprofil Eifelmarathon-Ultra
Noch mehr Kilometer hat der Däne auf dem Tacho, den wir morgens auf dem Parkplatz bei der Turnhalle treffen. Er hatte dort die kostenfreie Übernachtungsmöglichkeit genutzt, muss aber direkt nach dem Marathon 800 km nach Hause fahren. Als Marathonsammler steht er kurz vor seinem "100. Marathon in Deutschland". Überhaupt ist das Starterfeld ziemlich international besetzt. Sogar aus Russland und von den Seychellen sind Teilnehmer dabei.

Nach dem Start pendeln wir zunächst flach auf einer einsamen Landstraße. Als wir erneut den Startbogen durchlaufen, komme ich meinem Ziel, mit dem Laufen Geld zu verdienen wieder ein Stück näher. Ich finde auf der Straße einen Euro! Damit habe ich ein Fünfunddreißigstel der Startgebühr erstattet bekommen. Übrigens wird für Marathon und Ultra die gleiche Summe verlangt. Als kühler Rechner muss man hier im Naturpark Südeifel also den Ultra laufen.

Bianka, die heute vierte Frau wird, ist längst unseren Blicken entschwunden. Gemäß meines mütterlicherseits abverlangten Gelübdes gehe ich es ruhig an und bleibe bei Alexander. So plaudern wir uns durch die herrliche Eifellandschaft. Besonders reizvoll sind die Stellen, wo der Weg dem Flüsschen Prüm begegnet. Der Asphaltanteil des Ultralaufs ist der geringste unter allen angebotenen Distanzen. Er beträgt nach Veranstalterangabe 51,6%. Noch ein Grund hier den Ultra zu wählen.

Bald begegnet uns mein Sohn, der auf Schloss Hamm gestartet ist. Trotz der 464 von ihm zu überwindenden Höhenmeter wirkt er völlig entspannt. Als jüngster Teilnehmer ist ihm der Altersklassensieg sicher. Er hat sich daher vorgenommen, unsere 2014er Zeit von 2:10 zu unterbieten. Mit 1:56 wird er zusätzlich sogar unter zwei Stunden bleiben.

Schloss Hamm *1
Dann erfüllen Dudelsackklänge die Luft, als wir in den Burghof von Schloss Hamm einlaufen, wo wir mit einem der 16 Verpflegungspunkte empfangen werden. Hügeligen Wald findet man häufiger bei Landschaftsläufen. Das spektakuläre Durchlaufen der Burg ist jedoch ein klares Alleinstellungsmerkmal des Eifelmarathons.

Dort, wo die Prüm zum Stausee Bitburg aufgestaut wird, werden wir von den Marathonis separiert und auf die Ultrazusatzschleife geschickt. Diese führt uns hoch über das Prümtal in feuchten, dunklen Tann. Der morgendliche Regen, der pünktlich zum Start aufhörte, hat hier die Wege so stark aufgeweicht, dass stellenweise Trail-Spaß aufkommt.

Das Plaudern haben wir längst eingestellt. Und ich konstatiere, dass es keine gute Idee ist, mit einem Infekt im Körper zu laufen, und sei es auch nur eine "Männergrippe". Während ich verschwitzt im kühlen Wind dahintrotte, sehe ich mich schon am nächsten Tag krank auf dem Siechbette darniederliegen. Und als wir - zurück am Stausee - einen Biergarten passieren, erscheint uns ein auf einer Terrasse mit gekühlten Getränken verbrachter Sonntag durchaus eine Alternative zu unserem aktuellen Tun.
Stausee Bitburg *2

Immerhin, jetzt sind wir auf dem Rückweg. Doch als wir erneut die Burg passieren, haben die Schlossherren einen Fehler gemacht. Sie haben einen Stuhl in den Hof gestellt! Es zeigt sich, dass so viel Luxus gar nicht gut ist. Denn Alexander lässt sich zu einer Rast verführen. Ich möchte lieber in Bewegung bleiben und ziehe ab jetzt allein weiter.

Ein Blick zur Uhr zeigt, dass eine Zeit unter fünf Stunden beim besten Willen nicht mehr drin ist. Trotzdem glaube ich, der mütterlichen Vorgabe lange genug Folge geleistet zu haben und versuche, die Gesamt-Pace bis ins Ziel wieder auf einen 6er Schnitt zu drücken. Dabei passiert Erstaunliches. Es kommt zur Spontanheilung! Ein Wunder! Preiset den Herrn! Während ich fokussiert auf das Ziel (das physische und das zeitliche) dahinziehe, gerate ich den Flow. Vergessen und verschwunden sind alle Schnupfensymptome. Die Nase läuft mir beim Sport ja sowieso immer.

Inzwischen hat sich die Sonne durch die dunkle Wolkendecke gearbeitet, und es wird warm. Waren wir vorher stundenlang einsam unterwegs gewesen, bekomme ich jetzt etliche Läufer vor mir zu sehen. Und die sind sehr nett zu mir, bekomme ich beim Überholen doch durchweg positive Rückmeldungen. "Ach, das sieht so locker aus, da hänge ich mich dran!" "Das sieht ja immer noch gut aus." Und der am Morgen getroffene, dänische Marathonläufer meint: "Guhd so!", als ich an einer langen Reihe Geher vorbei den letzten, fiesen Anstieg, der in der prallen Sonne liegt und einfach nicht enden will, hinauf laufe. Obwohl ich mir heute keine besondere Leistung abverlangt habe, stimmen mich die Zurufe froh. Muss man sich mal merken, wie einfach es ist, anderen eine Freude zu bereiten.

Zunächst bin ich es aber, der weiterhin Grund zum Freuen hat. Bis ins Ziel geht es nämlich nur noch bergab. Auch nach 5:05:23 darf ich mich noch zum ersten Finisher-Drittel zählen und bekomme die ersehnte Medaille umgehängt. Kurz darauf entere ich die Bühne zur Siegerehrung - unter den ungläubigen Blicken der Veranstalterin. Den Sieger der Altersklasse "Jugend A" nimmt man mir wohl nicht mehr ab. Doch als ich erkläre, dass ich stellvertretend für meinen noch ausgiebig duschenden Sohn den Preis entgegen nehme wolle, wird mir die Siegprämie ausgehändigt. Ein Handtuch nebst Duschbad - na, das passt ja!



Bildquellen:
*1) von Venetianer (Eigenes Werk) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) oder CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

*2)  von bodoklecksel (Eigenes Werk) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) oder CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons



Dienstag, 31. Mai 2016

Rheinsteigextremlauf 2016

Rheinsteigextremlauf - was für ein Name! Wer möchte sich da nicht mit einem Finish brüsten, um sich fortan Extremläufer nennen zu dürfen? Nach der inoffiziellen Austragung von 2014 will ich mir heute das "echte" Extrem-Attribut verleihen lassen. Angesichts der überschaubaren Streckenlänge von 35 Kilometern scheint mir der Lauf für einen ersten Sehnentest unter Wettkampfbedingungen geeignet - mein läuferisches Comeback! Allerdings ist die Distanz mit reichlich Höhenmetern ausgestattet. 1250 sind es ihrer an der Zahl. Irgendwo muss das Extrem ja auch herkommen.

Das Ziel am Freibad auf der Rheininsel Grafenwerth soll die Familie zu einem Ausflug ins Siebengebirge locken. Doch als die Kinder hören, wann sie aufstehen müssten, heißt es: "Drachenfels? Da waren wir doch schon!" Immerhin begleitet mich die Pulsmesserin, um während meines Laufs ihre Bahnen im Schwimmbad zu ziehen (und meine Abholung im Ziel dieses Streckenlaufs zu sichern).

Ziel-Schwimmbad mit Blick zum Drachenfels

Nach dem Start am Rheinufer verhindern nach wenigen Hundert Metern die Bonner Verkehrsbetriebe ein zu schnelles Loslaufen. Sie gönnen uns eine Ruhepause an den geschlossenen Schranken eines Bahnübergangs. Nur das Spitzenfeld hat den Fahrplan eingehalten und diese Schikane bereits passiert.

Ungefähr nach zwei Kilometern geht es in die Hügel des Siebengebirges. Eine Treppe zwingt zu den ersten Gehschritten. Der befürchtete Stau bleibt hier aber aus. Und dann gerate ich in den Zweikampf der Damen um Platz Zwei und Drei. Gemeinsam mit der Drittplatzierten ziehe ich an der bis dahin Zweiten vorbei. Doch meine heimliche Pacemakerin schnürt so konstant die Berge hoch, dass ich sie ziehen lassen muss, wenn ich ein paar Reserven für die noch ausstehenden 1000 Höhenmeter behalten will.

Am Petersberg wird es so steil, dass ich wieder Gehen muss. Hier gibt es zwei Überraschungen. Meine "Pacemakerin" kommt wieder in Sichtweite. Sie geht nur ein paar Schritte vor mir. Und wie ich ihr gerade so auf die Pelle rücke, tönt die zweite Überraschung von hinten. "Darf ich mal kurz vorbei?", fragte die Drittplatzierte, die diesen steilen Single-Trail im Laufschritt nimmt.

Obwohl der "VauPe" auf dem Gipfel standesgemäß vor dem ehemaligen Gästehaus der Bundesrepublik aufgebaut ist und auch entsprechende Köstlichkeiten (Melone, Ananas) feilbietet, verpflege ich nur kurz und lasse damit die beiden Damen endgültig hinter mir.

Blick vom Drachenfels (Archiv)
Das nächste Mal zwingt mich, wie erwartet, der Drachenfels zum Gehen. Ein Zuschauer teilt mir mit, dass ich 19 Minuten Rückstand auf die Spitze habe. Aber was soll unsereiner mit so einer Information anfangen?  Das Erreichen des Hochplateaus ist nicht nur wegen des anstrengenden Aufstiegs atemberaubend. Die Aussicht auf den Rhein und die Insel möchten einen fast verweilen lassen, wäre man nicht schon mehrfach hier gewesen. An der letzten Schutzhütte hatte ich einen Läufer überholt, der erstmal den Rucksack abnahm, um zu rasten. So sollte man es eigentlich halten. Immerhin lasse ich kurz den Blick schweifen. Dafür greife ich die nächste Melonenscheibe am Gipfel-VP nur im Weiterlaufen, so dass mich der am Abstieg lauernde Fotograf kauend erwischt. "Mit vollem Mund zu laufen ist erlaubt, aber Sagen darfst du nichts!" Nach einem  Plausch steht mir ohnehin gerade nicht der Sinn.

Frohgemut widme ich mich dem Abstieg, denn beim vorbereitenden Lesen des Höhenprofils war mir ein schwerer Fehler unterlaufen. Ich hatte mir eingeprägt, dass nach dem Drachenfels alle nennenswerten Anstiege bewältigt seien. Irgendwie kommen mir bereits Zweifel, da erst etwa die Hälfte der Strecke gelaufen ist. Ein Mitläufer demoralisiert mich mit der Botschaft, dass noch die Löwenburg ihrer Bezwingung harre. Die höchste Erhebung war mir völlig durchgegangen!

Höhenprofil RHEX

Und so wird es doch noch schwer für mich. Weitere Gehpassagen müssen eingeschoben werden, sogar an Segmenten, die ich unter anderen Umständen als eher nicht so steil eingestuft hätte. Obwohl ich noch einige Male überhole, werde ich ab jetzt von drei oder vier Läufern, die sich ihre Kräfte weit besser eingeteilt haben (oder schlicht mehr davon besitzen), regelrecht abgehängt.
Rhine-Island-Big-Band
Man kennt es von der Marathonendphase. Jetzt beginnt bei jedem Kilometerschild diese Rechnerei. Ach, noch x Kilometer. Ein sub-Irgendwas ist aber noch drin. Ich hatte mir heute ein Finish unter 3:30 vorgenommen. Das wird auf jeden Fall klappen. Die Hochrechnungen schwanken zwischen 3:26 und 3:22. Auf dem letzten Kilometer scheint dann sogar ganz kurz eine sub 3:20 möglich. Wäre da nicht noch die steile Fußgängerbrücke zur Insel!

Letztlich werde ich nach 3:20:51 mit Pauken und Trompeten im Ziel empfangen. Denn dort spielt die Rhine-Island-Big-Band auf. Da hat Organisator Oliver Witzke wieder ordentlich was auf die Beine gestellt. Er fungiert auch als Moderator und empfängt mich als "messerscharfen Blogger, der immer schöne Laufberichte schreibt". Na, da kann man doch zufrieden die Partystimmung am Grill genießen und mal in Ruhe die ganze Palette der kostenlos gereichten, alkoholfreien Krombacher Biersorten durchprobieren.

Zielparty auf der Rheininsel




Donnerstag, 12. Mai 2016

Glück im Unglück

Mein Arsch ist im Arsch. Die Handballen sind taub, der Nacken steif. Länger als drei Stunden halte ich es einfach noch nicht auf einem Fahrradsattel aus. Doch warum fährt der Kerl plötzlich exzessiv Rad?

Schmerzen im Schienbein


Seit einem harten Intervall-Training Mitte April muckert das rechte Schienbein. Und der Düsseldorf-Marathon ein paar Tage später hat die Situation nicht unbedingt verbessert. Nachdem das Internet leer gegoogelt war, hatte ich meinen Orthopäden-Titel in der Tasche (Dr. med. Rasen) und stellte meine Diagnose: Sehnenscheidenentzündung - offenbar eine Überlastungserscheinung.

Die Symptome passten recht eindeutig zu den Beschreibungen in der Literatur:
  • Schwellung
  • Erwärmung
  • Schmerz, besonders beim Hochziehen der Zehen
  • "Schneeballknirschen" (man fühlt ein Knarzen in der Sehne, wenn man die Hand auflegt)
Die im Web prognostizierten Aussichten sind recht Furcht einflößend. Der Schmerz würde immer stärker, bis man letztendlich nicht einmal mehr gehen könne. Sei das Ganze erst chronisch geworden, dauere die Heilung besonders lang. Noch schlimmer, jeder erneute Lauf würde dann den Schmerz wieder hervorrufen. Und Schneeballknirschen sei bereits das Zeichen einer chronischen Entzündung. Angst!

Als Therapie verordnete ich mir daher:
  • Laufpause
  • Kühlen
  • Voltaren-Salbe 
  • Voltaren 25 -Tabletten als Entzündungshemmer
Laufpause - immerhin an der Ruhr

Die abgeschwächte Version der Voltaren-Tabletten ist rezeptfrei erhältlich. Eine Erhöhung der Dosis sollte das stärkere Präparat meiner Meinung nach emulieren können. Mehr als drei Stück am Tag erlaubt der Beipackzettel eigentlich nicht. Der Apotheker schien aber erfahren im Umgang mit entzündungsgeplagten Sportlern: "Nehm' Se nicht mehr als sechs ...".

Bangen und Hoffen


Es folgten Tage voller Zweifel. Nachts war es auch nicht besser. Mit der eisigen Kompresse am Bein und dauerndem Für und Wider im Kopf lag ich wach. Kurz gesagt, war da einerseits die Hoffnung auf eine rechtzeitige Genesung bis zur TorTour de Ruhr. Dem gegenüber stand die Sorge, ob es vernünftig wäre, ein (hoffentlich) gerade von Überlastung genesenes Körperteil als erste Maßnahme 24 Stunden lang zu schinden?

Und wie sollte ich mich überhaupt fit halten? So kam das eingangs erwähnte Alternativtraining auf dem Fahrrad zustande. Dass ich sogar im Schwimmbad war, zeigt wahrscheinlich das ganze Maß meiner Verzweiflung!

Die Entscheidung

 

Fünf Tage vor der TorTour schien es mir Zeit für eine Entscheidung zu sein, um einem Kandidaten von der Warteliste noch eine Chance auf Teilnahme zu geben.

Die Laufpause hatte mir drastisch vor Augen geführt, welch wichtiger Eckpfeiler meines Lebens plötzlich weggebrochen war. Genau diesen Eckpfeiler wollte ich dauerhaft sanieren, um ihn langfristig bis ins hohe Alter zu erhalten. In diesem historischen Lichte betrachtet, erschien ein einzelner abgesagter Lauf als relativ überschaubares Übel. Während eine Teilnahme das Risiko einer irreparablen Schädigung des Eckpfeilers oder besonders langer Reparaturmaßnahmen bedeuten könnte.

Den letzten Tropfen, den es noch brauchte, um mein Entscheidungsfass überlaufen zu lassen, lieferte ausgerechnet der Veranstalter selbst mit seinem finalen Newsletter. Darin wurde noch einmal darauf aufmerksam gemacht, dass es sich um einen reinen Selbstversorgerlauf handelt, den es mithilfe der eigenen Crew zu bewältigen gilt. Da der Radweg immer beschildert ist, und meine Einmann-Crew mir ihre ewige Gefolgschaft gelobt habt, könnte ich den Lauf - so redete ich mir ein - jederzeit privat nachholen.

Obwohl meine Therapie schon deutliche Erfolge zeigte, wuchs ich über mich hinaus und tat, was vernünftig schien. Ich sagte meine TorTour-Teilnahme ab.

(Rad-)Weg ins Glück


Offenbar fand mein tapferer Entschluss die Aufmerksamkeit einer höheren Macht. Als ich wieder wacker in die Alternativtrainings-Pedale trat, hatte man mir etwas in den Weg gelegt. Nein, diesmal keine Steine. Es war ein 20-Euro-Schein!

Schnöder Mammon oder Wink des Schicksals?


Ein Wink des Schicksals! Die Bestätigung meiner Entscheidung! Der Beginn einer neuen Glückssträhne! Ja, ja, so will ich es interpretieren!

Da wird mein Hintern wohl noch eine Weile zu leiden haben, wenn ich jetzt weiter brav meine Radrunden drehe.