Dienstag, 12. September 2017

Triathlon-Debüt endet mit Gesamtsieg

"Ihr müsst mir versprechen, dass ihr auch wirklich 100 Prozent gebt!" So peitscht der Junior seiner Schwester und mir am Morgen ein. Vielleicht hätte ich besser ihn als "Staffelverantworlichen" bei der Anmeldung zum Ratinger Triathlon registrieren lassen sollen.

Die Kinder hatten mich überredet, mit ihnen eine Triathlon-Staffel zu bilden. Wegen des Alters meiner Tochter kam nur der Familienstaffel-Wettbewerb über 250 m Schwimmen, 10 km Rad und 2,5 km Laufen in Frage. Beide Kinder trainieren ihre jeweilige Sportart (Schwimmen bzw. Laufen) im Verein. Da ich keine derartige Qualifikation vorweisen kann, wurde ich auf's Fahrrad verwiesen. Die klare Ziel-Vorgabe durch die Kinder lautet: wir müssen gewinnen!

Als Triathlon-Novizen irren wir aufgeregt durch das Schwimmbad. Wo muss man einchecken? Wann ist die Wettkampfbesprechung? Wo findet die Staffelübergabe statt? Wieso hat auch der Schwimmer eine Startnummer bekommen? Und was macht man mit den Startnummern-Aufklebern? Einiges bleibt ungeklärt, aber wir schaffen es zu starten.

Planmäßig verlässt das Töchterchen als Erste das Gewässer. Nur wird sie auf dem Weg in die Wechselzone beinahe von einem Verfolger eingeholt. Also sprinte ich zu meinem Rad und reiße es vom Ständer. Ja, ich hatte mein Tourenrad in der Wechselzone auf seinen Ständer stellen müssen, da sowohl Lenker als auch Sattel zu hoch waren, um es unter die vorgesehene Aufhängstange zu bringen.

Einfahrt in die Wechselzone
Als ich das Bad verlasse, glaube ich, endlich losradeln zu können. Aber ich muss für circa 150 m einem blauen Teppich folgen. Das ist gut, denn noch bin ich in meiner eigentlichen Disziplin unterwegs. Wie ein Gestörter renne ich mit dem Rad über den blauen Belag, denn ich will unbedingt als Erster auf der Strecke sein. Dann halte ich erstmal an - und steige auf. Das Aufspringen aus vollem Galopp hätte man vielleicht mal üben sollen. Zu spät.

Schon jetzt rasselt mir der Atem. Der "Wettkampfbesprecher" nannte die Radstrecke schnell. Mir fehlt jeder Vergleich, aber für meinen Geschmack geht es dafür ganz schön bergauf. Immerhin erklimmen wir die Flanke des Langenbergs, der mit 105 m Ratingens höchste Erhebung bildet. Ein weiterer Anstieg führt in den Ortsteil Eggerscheidt, wo mich eine 180-Grad-Kehre zum Bremsen nötigt. Das ginge wahrscheinlich auch irgendwie geschmeidiger. Hatte ich gehofft, dass der bisherige, kräftige Gegenwind nun schieben würde, so werde ich enttäuscht. Es bleibt bei Gegenwind. Das typische Radfahrer-Paradoxon! Immerhin überhole ich ein paar andere Radler, vermutlich die vorher gestarteten Volkstriathleten auf ihrer zweiten Radrunde. Aber auch ich werde überholt! Kleine Jungs auf eindrucksvollen Rennmaschinen und visierbehelmte Männer auf Triathlonrädern ziehen vorbei. Schwer festzustellen, ob Familienstaffel-Konkurrenz dabei ist. Es bleibt mir nichts anderes übrig, als weiter am Limit zu strampeln. Den Blitzer in der 70-Zone löse ich leider nicht aus. Das gelinge jährlich nur zwei bis drei Startern, wurde uns in der Wettkampfbesprechung verraten. Für Lichtblitze sorge ich selbst. Ich habe vergessen, die Beleuchtung auszuschalten! Sinnlos fließt ein Teil meiner Energie in den Nabendynamo. Noch eine Runde könnte ich definitiv nicht in dem Tempo fahren.

Am blauen Teppich lasse ich mit einem ungelenken Abstieg nochmal deutlich den Familien-Starter erkennen. Auch elegant-einhändiges Rad-am-Sattel-Führen beherrsche ich nicht. Dafür schiebe ich mein Bike so schnell in die Wechselzone, dass ich zwei der Velo-Raser wieder einhole. Trotzdem steht schon ein Rad im Familien-Wechselbereich!

Ein Drittel der Beute
Das muss der Junior jetzt wieder ausgleichen. Ob das gelingt? Wir hatten vorher überlegt, dass die Schwimm-und Laufstrecken zu kurz sind, um meine schlechte Rad-Performance wieder kompensieren zu können. Doch der Junior straft alle Theorien lügen und macht uns mit einem Finish nach 35:52 min zu Staffelgewinnern!

Die Kinder wollen nächstes Jahr an einem "richtigen Triathlon" teilnehmen.


Kommentare:

  1. Da wird wohl auch der Papa nächstes Jahr bei einem "richtigen" Triathlon teilnehmen müssen. Bis dahin darfste aber wohl noch gerne etwas Radfahren üben :-)

    AntwortenLöschen
  2. Na das nenne ich mal eine gelungene Premiere, herzliche Glückwünsche an die ganze Mannschaft! Ja, da nimmt eine entwicklung ihren Lauf. Hatte Dich der Junior nicht erst neulich bei einem Kurzstreckenlauf abgehängt? Und nun nehmen Dich gleich beide Sprösslinge so in die Zange. Aber wacker geschlagen, und als Mannschaft ward Ihr unschlagbar. Man darf auf die nächsten familiären Aktivitäten gespannt sein! Und bis dahin hast Du auch das Rad-Handling drauf ;-)
    Liebe Grüße
    Elke

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Die Mannschaft dankt!
      Hoffentlich erinnern sich die Kinder später mal daran, was ihr alter Vater alles auf sich nahm, um was Schönes mit ihnen gemeinsam zu unternehmen.

      Löschen
  3. Warum gefällt mir das ? Weil ich es einfach nur gut finde, wenn die ganze Familie auf dem sportlichen Trip ist, kommt mir sehr bekannt vor - dann noch DIESE Platzierung ! Und klar, die Kinder werden sich daran erinnern - ganz sicher - ich weiß, wovon ich spreche ! Glückwunsch !

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Vielen Dank für den Glückwunsch und deine aufmunternden Worte!

      Löschen
  4. Na meinen allerherzlichsten Glückwunsch zum Sieg.
    Ich finde es sehr stilvoll mit einem Tourenrad beim Triathlon zu gewinnen. Auch wenn natürlich die Kiddis mitgeholfen haben, aber so ganz schuldlos biste am Sieg ja nicht. Und beweist mal wieder: Material ist eben nicht alles :-)
    Ich freue mich schon auf deine Berichte vom nächsten Triathlon :-)))
    Schönes T-Shirt übrigens
    Liebe Grüße
    Helge

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Danke, Helge! Ich war nur drittschnellster Radler.
      Das Shirt hatte ich gewählt, um für die Anfeuerer besser erkennbar zu sein.

      Löschen
  5. Ui, herzlichen Glückwunsch, auch an die Family. Super schöner Bericht. Ich musste viel lachen, denn ich musste dauernd an meinen ersten Triathlon denken. Da fragte der Kampfichter vorher, ob wir wirklich 10km Rad fahren wollen oder lieber kürzer - wir waren nur 8 Teilnehmer :-). Aber wir kämpften uns wacker über die 10. Und was heisst hier echter Triathlon. Das war doch einer, definitv.
    Liebe Grüße
    Karina

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Vielen Dank für die Glückwünsche und die positive Rückmeldung zum Bericht!
      Wir waren auch nur 8 Staffeln ...

      Löschen