Dienstag, 9. Januar 2018

Belgische Verhältnisse beim 1. Bach-Tal-Ultra (BaTalU)

"Irgendwann wird der Junkie zum Dealer.", orakelte Andreas bei unserem Kennenlernen. Gemeint war damit, dass jeder Laufsüchtige irgendwann einen eigenen Lauf veranstaltet. Heute ist es bei mir so weit. 19 Willige haben sich eingefunden, um die 62 km des 1. Bach-Tal-Ultras zu erkunden. Drei weitere Starter wollen sich mit 26 km begnügen.

Bisher wurde oft "Waterloo" verstanden, wenn der gleichnamige Titel der Gruppe ABBA erklang. Seit dem heutigen Lauf wissen wir, dass die Schweden eigentlich "BaTalU" singen. Als Auftakt zum Lauf lässt mein Sohn diese BaTalU-Hymne aus einem mobilen Bluetooth-Speaker erklingen, bevor er den Startschuss abfeuert. Er hat sich eine passende App installiert, so dass auch der Schuss virtuell aus dem Lautsprecher knallt.

Gelaufen wird aber ganz real mit beiden Füßen. Allerdings nicht immer mit festem Boden darunter. Die Streckenverhältnisse entsprechen eher einem Traillauf in Belgien. Der Dauerregen der letzten Tage hat die Wege sehr gut angefeuchtet. Neben den ausgeschriebenen Bach-Tälern haben sich spontan noch weitere Bäche gebildet. Der Sturm legte hier und da ein paar zusätzliche Bäume über den Weg.

"Baumatisierte" Lauferin in Zusatz-Baum
Die Teilnehmer lassen sich davon die gute Laune nicht trüben. Im Gegenteil, es scheint, als haben alle Spaß an solchen Herausforderungen. Einmal wird es dann doch ernst, als ein Sturz zu einem gebrochenen Finger führt und die geplante Teilnahme von Andreas am Spine Race in Frage stellt. Die gestandenen Ultras sind selbst auf solche Notfälle vorbereitet. Dietmar hat nicht nur alle von mir im Road-Book genannten Wegpunkte als laminierte Liste dabei, sondern auch den Track vorab studiert und um potentielle zusätzliche Verpflegungspunkte erweitert. Somit kann der Verletzte in die Wärme einer nahegelegenen Backstube gebracht werden, wo die pragmatische Bäckersfrau aus einem tiefgefrorenen Croissant-Rohling ein Kühlpack bastelt und so "Finger-Food" ganz neu interpretiert. Meine Frau überlässt den VP der Obhut meiner Kinder und überführt den Verletzten.

Bachquerung
Auch im Spitzentrio, das ich als Navigator begleite, kommt es zum Sturz. Oliver stolpert und fällt neben dem Weg in die Tiefen des Stindertals. Als er sich wieder zum Pfad hochgerappelt hat, meint er nur lakonisch: "Ab jetzt habe ich ein paar Höhenmeter mehr als ihr!" Ich freue mich einmal mehr, dass so gutgelaunte, sympathische Menschen meiner Einladung gefolgt sind. Sogar die schnellste Frau Ratingens, Gladys Just, konnte für den Lauf gewonnen werden. Sie ist zwar nicht selbst gestartet, harrt aber lange an der Strecke aus, um zusammen mit ihrem Partner Teilnehmer-Fotos vor der historischen Kulisse der Wasserburg "Haus zum Haus" zu schießen.

Auch mir bleibt ein Sturz nicht erspart. Ein Bauer reinigt mit kräftigem Strahl seinen Traktor. Das Wasser spritzt weit über den Weg, den wir zu passieren haben. Bei einem sommerlichen Städte-Marathon ist so eine Abkühlung willkommen. Heute würden wir lieber trocken bleiben. Also beschließe ich, Traktor und Bauer zu "hintergehen". Meine Begleiter preschen aber ungerührt auf dem offiziellen Pfad weiter, wo der Landmann sie schließlich entdeckt. Spontan richtet er rücksichtsvoll seinen Schlauch nach hinten. Also auf mich! Meine plötzliche Ausweichbewegung endet im Matsch am Boden. Erst duschen und dann in den Schlamm fallen ist eindeutig die falsche Reihenfolge!

Als ich die Führungsriege ins Ziel begleite, sitzen dort schon Drei! Es ist die "Raketengang", die ein Fahrzeug nach der Marathon-Distanz abgestellt hatte, und auf diese Weise dem Lauf noch eine 43-km-Wertung hinzufügt.

Wir laben uns an den reichlich gespendeten Kuchen (Veganer Rotwein-Kuchen von Inga, Schoko-Mandel-Kuchen von Gladys sowie Apfel- und Pflaumenkuchen von der Pulsmesserin). Die anderen Finisher, die nach und nach eintrudeln, halten es ebenso. Dadurch erweist sich mein Einkauf für den VP als ziemliche Fehlplanung. Braucht jemand zufällig gerade 65 Bananen?

Auch die Kinder haben schlecht geplant. Als kleine Kompensation für den gerade erlebten Auslandsurlaub hatte ich sie zum Einsatz am VP, zur Zeitmessung und zur Urkundenausgabe im "Wettkampfbüro" verpflichtet. Dort haben sie eine selbstgestaltete "Helferspendenbox" aufgestellt. Das Kistchen erweist sich als deutlich zu klein! Vielen Dank an die großzügigen Läufer!

Vor allem aber möchte ich mich für eure positive, fröhliche Stimmung bedanken. Es war mir eine Freude, den Tag mit so sympathischen Gleichgesinnten bei unserem gemeinsamen Hobby zu verbringen!




Kommentare:

  1. Glückwunsch zum ersten selbst organisiertem Lauf. Das hört sich wirklich sehr spaßig an. Und die ganze Familie war dabei :-)
    Hier habe ich dir mal ein paar (ca. 7000) Rezepte für Bananen rausgesucht.
    https://www.chefkoch.de/rs/s0/bananen+rezepte/Rezepte.html
    Guten Hunger ;-)))
    Liebe Grüße
    Helge

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    1. Danke, dann gibt es jetzt vielleicht nicht mehr jeden Morgen Bananenjoghurt...

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  2. Großartig! Und sowas findet in meiner Nachbarschaft statt :-)
    Ich geb zu, da war ein (sehr) starker Hang zum Teilnehmen, aber es wollte zeitlich einfach nicht klappen, bzw für die lange Strecke hätte es derzeit einfach nicht gereicht. Aber Blut ist geleckt. Nächstes mal bin ich dabei!
    Beste Grüße, Oliver

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    1. Klasse, vielleicht klappt es ja vorher schon mal mit einem Treffen.

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  3. Herzlichen Glückwunsch zur erfolgreichen Premiere eines neuen Lauf-Events im Rheinland! Was gab es da nicht alles zu erleben... Startschuss-App, Fingerschienen mit Tiefkühlbackware, individual-zusätzliche Höhenmeter und selbst eine Läuferdusche fehlte nicht. Die Bilder jedenfalls zeigen, dass alle ihren Spaß hatten, trotz- oder wegen?- Schlamm und Hindernissen. Gibs zu, da wird man doch gern zum Dealer... und die ganze Familie wohl mit.
    Nächstes Mal bin ich dann aber dabei:-)
    Liebe Grüße
    Elke

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    1. Ja, Dealen ist fein, besonders wenn man trotzdem noch Junkie sein darf.
      Auf das Fingerschienen-Erlebnis hätten wir aber alle gern verzichtet.
      Übe schon mal das Navigieren, Elke! Dann kannst du mitlaufen. Denn es klappte ganz gut ohne den Zusatz-VP. Es stellte sich heraus, dass der Kneipen-Wirt bei km 43 selbst Marathoni und recht kooperativ ist. Darauf lässt sich evtl. aufbauen.
      Viele Grüße!

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